Germania Ilmenau – Elstertal Silbitz/Crossen 1:0 (1:0)

Hochverdient, aber entschieden zu knapp gewinnt Germania Ilmenau sein Heimspiel in der Fußball-Landesklasse, Staffel 1.

Christopher Thurau verstand ein bisschen die Welt nicht mehr. „Was ist das für eine trübe Stimmung hier? He, wir haben gewonnen!“ Nach seiner absoluten Klasseleistung durfte sich Ilmenaus mit Abstand bester Spieler an diesem Tag – trotz seines verschossenen Elfmeters – eine solche Beschwerde erlauben. Die anderen freilich wussten wohl, dass es wenig Grund zu Euphorie gab. „Das war extrem fahrlässig“, kritisierte auch Vereinschef Lutz Kobe. „So viele Chancen auszulassen, das darf nicht sein. Das werden wir auch nochmal thematisieren. Wir können von Glück sagen, dass wir trotzdem gewonnen haben.“ Speziell in der Schlussphase, als das knappe 1:0 noch zweimal in erhebliche Gefahr geriet: Bei Prüfers Schuss an die Lattenunterkante (74.) und Hörholds „Zug-Aktion“ gegen Prüfer (80.), nach der der Schiedsrichter auch einen Strafstoß hätte geben können. Er sah aber den Beginn des Vergehens vor dem Strafraum und entschied auf Freistoß, der nichts einbrachte.

 Alles versiebt

Somit kam das Phrasenschwein („Wer so viele Chancen nicht nutzt, wird bestraft.“) diesmal um neues Futter. Aber eine derart schlechte Ilmenauer Chancenverwertung in einer einzigen Halbzeit hatte es wahrscheinlich im Hammergrund vorher auch noch nie gegeben!

Im Notizbuch fanden sich nach dem Wiederanpfiff zehn, vielleicht sogar elf Chancen unter der Rubrik „Riesen“, aber nicht eine einzige davon wurde genutzt. Es seien nur die beiden dicksten genannt: Der Strafstoß von Thurau nach Foul an ihm selbst (55.), bei dem aber der junge (und überaus viel versprechende!) Gästetorwart die Ecke schon ahnte, ehe überhaupt geschossen war. Und dann stand Fernando völlig frei vor dem Keeper, versuchte ihn zu umspielen, geriet dabei aber zu weit nach links außen und Thurau verpasste die Eingabe (65.). Fast alle diese Chancen gingen von Thurau aus, der an seiner Rechtsaußenlinie ein Zuspiel nach dem anderen bekam und dann den reichlich vorhandenen Raum mit seiner Schnelligkeit weidlich ausnutzte. Dass man dagegen nicht mit dem üblichen „Verschiebebahnhof“ verteidigen konnte begriffen die Gäste bis zum Schluss nicht – aber die Ilmenauer schlugen auch bis zum Schluss keinerlei zählbares Kapital daraus. „Unsere Stürmer überlegen derzeit einfach zu viel, sie wollen wahrscheinlich aus hundertprozentigen noch tausendprozentige Möglichkeiten machen“, resümierte Trainer Mike Eckardt.

Mitunter waren die Abschlüsse auch vom Pech verfolgt, etwa bei den Chancen von Finn (65., 70. 80.), der viel in die Spitze ging und dort auch viel Gefahr erzeugte. So blieb es am Ende bei dem einen Treffer aus der ersten Halbzeit, als nach einem geklärten Eckstoß Amarell mit einem Überkopfball plötzlich Kumm freigespielt hatte, der zur Grundlinie durchstartete und dann eine Eingabe auf Fernando spielte. Der vollstreckte trocken (35.).

Stark in Halbzeit zwei

Nun darf dieses Effizienzproblem nicht die insgesamt sehr gute Ilmenauer Leistung in der zweiten Halbzeit überdecken. Allein schon die Zahl der Chancen beweist die offensive Qualität der Germania, und bis auf wenige Ausnahmen stimmte nun auch das Abwehrverhalten.

Das sah in der ersten Halbzeit noch anders aus. Da wirkten die Gastgeber gegen die weit aufrückenden Elstertaler äußerst schwerfällig. Diese pflegten schnelles Umkehrspiel und wie schon im Vorjahr bekam Ilmenaus Mittelfeld-Defensive wenig Zugriff auf den agilen Silbitzer Schmidt. Vier Mal lag durchaus eine Gästeführung in der Luft (15., 16., 32., 34.). N. Bradsch und teils auch Silbitzer Unvermögen verhinderten dies – man merkte den Gästen an, dass sie mit Strobel ihren Top-Scorer des Vorjahres verloren hatten.

Umstellungen nach dem Wechsel (Amarell im zentralen defensiven Mittelfeld) und ein nun weitaus lauffreudigerer Fernando in der Spitze beförderten das Zepter des Spiels endgültig in die Hand der Germania. Aber der zählbare Ertrag daraus hätte zwingend höher sein müssen!

Ilmenau: N. Bradsch – Schlott, Hörhold, Weigelt, Elle – Kumm (46. Walch, 90. Malsch), Linse – Thurau, Finn, Amarell – Fernando

Silbitz/Crossen: Machold – Neugebauer, Dölle, Blaas, Grünbeyer – Schmidt, Fischer – Roßmann (77. Kutschbauch), Prüfer, Anton (58. Knop) – Himmstädt

Heilek (Erfurt) – 100 – 1:0 Fernando (35.)

 

Ralf Brückner

 

 

 

 

Keine Kommentare
Kategorien: Allgemein, Männer

0 Kommentare