Quelle : Freies Wort,31.07.2010

Von Ralf Brückner

Deutlich mit 4:2 (2:2) gewann Fußball-Verbandsligist Germania Ilmenau gestern das Oddset-Landespokalderby beim Landesklasse-Vertreter FSV Martinroda.

Martinroda Die reichlich erschienen Zuschauer bekamen an diesem wunderschönen Sommerabend einen mächtigen Appetithappen für die bald beginnende Punktspielsaison geboten: Sechs Tore und einen ganzen Sack voll erstklassiger Chancen beiderseits – so was erlebt man im Fußball ja auch nicht alle Tage. Was zugleich aber offenbart, dass beiderseits die Abwehrreihen zu den Sorgenkindern avancierten. Bei Ilmenau kam noch die Chancenverwertung dazu, aber insgesamt verdienten sich die Gäste den Erfolg durch eine überlegen geführte zweite Halbzeit, in der der Klassenunterschied dann so deutlich wurde, wie sich das zwar eigentlich gehört, bei Spielen der Germania gegen Martinroda aber keineswegs selbstverständlich ist. „Wir hatten tags zuvor nochmal hart trainiert. Es ging ums Weiterkommen, und dass die Jungs sich durchbeißen sollten. Das ist gelungen, speziell nach dem Zwei-Tore-Rückstand“, war Trainer Erhard Mosert zufrieden, während sein Kollege Jan Thimm bedauerte: „Schade! 25 Minuten konnten wir umsetzen, was wir uns vorgenommen hatten. Dann hat uns der Anschlusstreffer nervös gemacht, und Ilmenau bekam Oberwasser. Die Ordnung und die Aggressivität in der Defensive haben bei uns zu häufig gefehlt.“

Was vor der Pause aber auch für die andere Seite galt: Bei Berlts Freistoß-Flanke bleibt die gesamte Germania-Abwehr samt Torwart untätig stehen: 1:0 per Kopf durch M. Wolf (9.). Böses Missverständnis zwischen Kapitän Schneider und Kott: 2:0 durch Baranowski, der wieder mal den Braten gerochen hat (15.). Gegenüber steht Fernando im FSV-Strafraum blank und wird von Zachert mustergültig bedient: 2:1 (17.). Und gleich nochmal vollstreckt der Germania-Torjäger frei stehend, diesmal eine Flanke von Wank, zum 2:2 (37.).

Foto: M. Waase

Ilmenau fand gegen die klug die Räume verdichtenden Martinrodaer lange keinen rechten Spielfaden. Vor allem die Neuzugänge konnten ihre Fähigkeiten noch nicht wie erhofft einbringen. Die sehr jung besetzte Gastgeberelf – mit Reuß, Mbolo und Machts spielten drei gerade dem Juniorenalter entwachsene Youngster – erarbeitete sich sogar eine leichte Überlegenheit, und F. Hartung hätte nach einem abermaligen „Übersichtsverlust“ in Ilmenaus engerer Abwehr eigentlich das 3:1 erzielen müssen (33.).

Mit der Einwechslung von Finn für die rechte Außenbahn – Rinn ging dafür in die Abwehrreihe zurück – erhielt das Ilmenauer Angriffsspiel in der zweiten Halbzeit dann viel neuen „Drive“, zumal sich auch Mosert im Zentrum und Mantlik im Sturm erheblich steigerten. Nun merkte man bei Martinroda doch deutlich, dass mit Eberling und St. Hartung gleich zwei erfahrene Defensivspieler fehlten. Auch erreichten nicht alle FSV-Stammspieler an diesem Tag ihre Superform vom Frühjahr, und es fiel dem Gastgeber nach der Pause sichtlich schwer, durchdachte Angriffe aufzubauen. Berlts Vorrücken ins Mittelfeld nach Kellners Einwechslung brachte hier zwar etwas, aber keine entscheidende Besserung.

Ilmenau geriet in Vorhand

Die energisch in die zweiten 45 Minuten startenden Ilmenauer, bei denen Jüngling und Schlott wegen Verletzungen fehlten, wurden dagegen früh mit dem Führungstor belohnt, als Fernandos Rechtsflanke im Strafraum vom heranstürmenden Mosert verwertet wurde (47.). Nun kontrollierte der Verbandsligist die Partie doch recht deutlich, ohne freilich die Martinrodaer Konter ganz unterbinden zu können. So häuften sich denn beiderseits die Torchancen. Manche wurden auf fast schon kuriose Weise vergeben, ansonsten zeichneten sich beide Torhüter mit tollen Reaktionen aus: Kott bei einer Direktabnahme von Machts (82.) und einem abermaligen kreuzgefährlichen Freistoß von Berlt (85.); L. Fabig gegen den frei vor ihm auftauchenden Pilz (87.). Da hatte aber Mantlik schon für die Entscheidung gesorgt, als er bei einem Steilpass genau im richtigen Moment startete und im 1:1 gegen L. Fabig auch sehr gekonnt vollstreckte (80.). Ein Tor der Extraklasse!

Germania Ilmenau bestätigte vor dem Spiel die schon angekündigte Neuverpflichtung des 22-jährigen Torwarts Leri Natradze. Der gebürtige Georgier, der aber die ukrainische Staatsbürgerschaft besitzt, kommt vom ESV 1927 Erfurt.

Martinroda: L. Fabig – M. Wolf, Blaschczok, Berlt, Raffel – Mbolo, Reuß, F. Hartung, Kah (77. Kellner) – Baranowski, Machts

Ilmenau: Kott – Heisch (46. Finn), Schneider, Benkenstein, Dobrocki – Wank – Rinn, Mosert, Zachert (58. Pilz) – Mantlik, Fernando (75. Raßmann)

Schieri: Ostrin (Eisenach)

Zuschauer: – 250 –

Tore: 1:0 M. Wolf (9.), 2 :0 Baranowski (15.), 2:1 Fernando (17.), 2:2 Fernando (37.), 2:3 Mosert (47.), 2:4 Mantlik (80.)

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